Die guten Parties beinhalten Personen, die dir nach einer überstandenen Panikattacke auf der Tanzfläche zusichern das alles in Ordnung ist und ein Safety-Net bilden, wenn benötigt. Leute, die auf der Tanzfläche ankommen und fragen, ob gerade alles in Ordnung ist und man in dem Moment eher überrascht und ein wenig nachdenklich bestätigt stabil zu sein.

Die Musik war so stimmig und gut wie schon lange nicht mehr. Nach dem Live-Set wurden die Glückwünsche auf dem Klo ausgesprochen. Schön, wenn jemand beim Live spielen seine komplette Komfortzone gefunden hat und sich bei jedem Set selbst auch noch neu überrascht, dabei aber trotzdem mit einer unglaublichen Reflektiertheit und einer klaren Zielsetzung eine Ruhe und gleichzeitig Begeisterung transportiert.

Der Fakt, dass Raum und Zeit mit Unterstützung der Musik einen eigenen Freiraum darstellen, in dem man mit den Grenzen spielen kann, stellt die gesellschaftliche Notwendigkeit guter Clubs dar, die in der Lage sind durch ein strukturiertes Raumkonzept, das sich auch an der Tür durch Abgrenzung auszeichnet, eine Momentaufnahme zu schaffen, die im emotionalen Cluster der Persönlichkeit einen Wärmepol hervorruft, der durch Resonanz mit dem Umfeld gespeist wird.

Auch nach dem Live-Auftritt bestachen die Sets durch Aufbau, Vehemenz und klarer Haltung. Dazu gehört unter anderem auch morgens nicht bis zum Ende durchzuballern, sondern auch mal die eigene BPM-Zahl ein wenig runterzufahren und dem Spaß an Vielfältigkeit Respekt zu zollen.

Beste Dancefloorszene:
Mädchen mit schwarzen Haaren tanzt zwei Minuten vor mir und fasst sich in die Frisur um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Kommt ihre schwarzhaarige Freundin an und fragt sie: „Glaubst du, der ist bi?“ und zack, waren sie beide weg.

Ich wünsche mir von weiblicher Seite mehr Kreativität und wenn schon nicht Kreativität, dann wenigstens ein wenig Sensibilisierung in Bezug auf das männliche Objekt der Begierde.

Wenn jemand zeitweise mit Augen zu auf der Tanzfläche steht, dann sollte mehr Aufmerksamkeit erzeugen vielleicht nicht darin bestehen, denjenigen anzurempeln, um ihm dann noch auf den Fuß zu treten. Derjenige wird sicher seine Gründe haben, warum er in genau dem Moment nicht available ist, vor allem wenn sich die ganze Szenerie im persönlichen Sweetspot der Anlage stattfindet, wo sowieso meist zu wenig Platz ist.

Generell mag ich mit Intention behaftete Handlungen am liebsten, wenn die Kommunikation auf Augenhöhe und mit wertschätzender Haltung abläuft. Erwartungen sind generell eher kontraproduktiv beim situationsorientierten Handlungsansatz und wahrscheinlich gibt es wenig Situationen in denen mit diesen so sehr gehandelt wird, wie auf dem Dancefloor. Allerdings gehe ich auch nicht ganz unverbindlich mit nem Ständer auf der Tanzfläche spazieren, wenn das Blut sich seinen Weg sucht. Ist auch eher lästig, wenn man gerade mit Loslassen beschäftigt ist.

Die schönsten Momente auf der Tanzfläche waren ein unerwartetes sanftes Auftauchen im Blickfeld und ein leichtes vorsichtiges Abtasten von Körpernähe ohne sich wirklich zu berühren, aber nah genug, um Intimität herzustellen und wurde im nächsten Moment schon wieder hinweggewischt. Zärtlichkeit hat auch immer mit Vorsicht und Respekt zu tun, wenn es die Armlänge Abstand betrifft.

Bevor das hier jetzt zu sehr in einen Rant über strukturelle Probleme und Metablah ausartet, bleibt mir eigentlich nur noch allen Mitverantwortlichen für diese Party zu danken.

Die geschlossene Meinung der Afterhour:
Dankbarkeit für diese besondere Zeitblase.




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