Warum Klatschen wenig bringt (und was man sonst noch tun kann)

Es gibt diese Aktion jetzt jeden Tag für die Leute zu klatschen, die im Gesundheitssystem tätig sind. Ich halte das zu großen Teilen für eine Maßnahme, die nur dazu führt, dass man sich als Person auf dem Balkon besser fühlt. Das ist auch OK so.

Versteht mich nicht falsch. Dankbarkeit ist unglaublich wichtig und Solidarität ist eine gute Sache und mir liegt es fern ein Urteil über die Personen zu fällen, die sich dafür entscheiden, aber in der jetzigen Situation gibt es andere Dinge die viel effektiver sind, um die Leute im Gesundheitssystem zu supporten und für die man nicht viel mehr tun muss, als kurz nachdenken.

Diese Leute laufen jetzt schon seit Tagen in einem Modus, der schnell dazu führt, dass die Belastunsgrenze erreicht ist und das Beste, was man machen kann, ist, sich in die Person hineinzuversetzen.

Ich benötige täglich Medikamente und sitze in Selbstquarantäne. Für mich waren die nächsten Schritte klar:

– Meine gute Freundin, die das Rezept vom Arzt holt, fragen, wie sie mit richtigem Namen heißt, damit bei meinem Hausarzt möglich wenig ungeklärt ist.

– Die Sprechstundenhilfe nochmal fragen, ob ich dieses Quartal schon da war, um zu schauen, ob eine Krankenkassenkarte benötigt wird.

Das sind zwei kleine Schritte, die nicht viel Vorraussicht erfordern und die Sprechstundenhilfe hat sich dann während des Gespräches bei mir bedankt, dass ich mitdenke. Ich habe geantwortet, dass es in der jetzigen Situation für mich eine Selbstverständlichkeit darstellt.

Da die Freundin, die das Rezept abholt auch für mich einkauft, habe ich noch eine Packung Schokolade zur Liste der benötigten Dinge addiert und die bekommt morgen die Sprechstundenhilfe.

Das ist nicht viel, aber es ist das Beste was ich tun kann.

Die Idee einer Geschichte erkennt man an ihrer Atmosphäre. Intentionale blaue Stunden, die Seiten füllen. Auf dem Bett ein leere Flasche Wein und du stehst am offenen Fenster. Es ist dunkel und draußen liegt Schnee der den Schall schluckt. Vom Bett aus sehe ich, wie kalt dir inzwischen sein muss und du sagst: „Manchmal wird mir klar, dass ich für den hohen Konsum der Nacht natürlich einen Preis zu zahlen habe, weil ich immer noch in diesem Lohnarbeitverhältnis stecke, was mir auf der anderen Seite natürlich die Finanzierung meines Lifestyles ermöglicht. Dieses ganze regelmäßige Kiffen schafft ja auch eine Struktur, mit der man schon Jahre lebt. Also ich komm jetzt Mal auf den Punkt. Wenn das hier zwischen uns was längeres werden sollte, dann brauchen wir unbedingt getrennte Grasvorräte.“

When I think about the Ocean

When I think about the ocean, I think about a lot of things and what really gets me is the way it shaped my personality. Part of my childhood happened on Tenerife and my grandfather, who is now a sad old man, because of the life he choosed to live, was part of that time. He starts crying, while thinking about that one girl, which is not my grandmother. He was a always a humanist, and that was his aim in raising me and my brother. He also cried about war in a conversation with my ex-girlfriend, wich I didn’t notice, because I was always afraid of loosing him again. Some „being in the zone“ moment while sighting the pictures of her and me and the day on the beach on my laptop. Subcouncious level. He had a stroke, when I was twelve and as I stood in Intensive Care, I couldn’t identify the person in the bed as my grandfather anymore, because his eyes where looking in completely different directions. It took a long time till that man was my grandfather again and I regret missing that moment until today. He didn’t share easily about that time, because his brother went missing in Russia. I also never asked about the bullet. I was told, how the bullet went through his body, just in the pubic area, where it hit a bone and then left his body through his asscheek. He never told me how it happened and I never asked. Anyway. That is my granddad. When I think about the ocean, I think about the way how my granddad taught me about the waves, which are quite big, and how to deal with them. He said: „There is one thing I can teach you, regarding the waves. When a wave comes, you are presented with a decision and you have to decide how to deal with wave. There are two ways. You can swim up the wave and breakt hrough at its top, where the wave is thin, or you take a deep breath and dive under the wave. Your decision. But in the moment, that you loose control, you have to roll yourself to ball and be sure about it, that there is a beach. I learned it the hard way. I thought, that I could gain control again and I started fighting. The wave didn’t care. It broke my nose.“

Dealing with forces of nature and learning to master them.

It humbles you.

Über Metaphern

Liebes Team von Viva con Agua Greifswald,

Living Room Galleries sind ne feine Sache, war ich selbst in anderen Städten auch schon Teil von und ich finde es gut, wenn junge Leute sich für ein Thema engagieren, das uns alle betrifft.

Vielleicht habt ihr gemerkt, dass eines eurer Kunstwerke mit der Frage „Digger, dein Ernst?“ versehen wurde. Dies fällt in meinen Verantwortungsbereich. Da das aber eine Frage ist, habe ich meinen restlichen Redebedarf in den folgenden Sätzen erklärender Weise formuliert, um euch bei der Beantwortung dieser nicht ganz allein im Regen stehen zu lassen.

Ich weiß nicht, wie ihr so neben euren Engagement politisch informiert seid, oder wie ihr soziale Medien nutzt. Ich persönlich kann mich an an eine Welt erinnern, wo es kein Internet gab und ich muss zugeben damals war die Welt noch nicht so komplex, was aber auch daran liegen könnte, dass ich noch ein Kind war. Heute gibt es ja diese berühmten Filterblasen. Der Begriff ist übrigens nicht mal zehn Jahre alt und beschreibt laut Wikipedia „eine Isolation gegenüber Informationen, die nicht dem Standpunkt des Benutzers entsprechen“.

Ich hab keine Ahnung, wie eure Filterblase am Montag ausgesehen hat, aber in meiner eigenen wurden doch viele schwarze Bilder mit weißer Schrift geteilt. Ich weiß auch nicht in welchen Kreisen ihr euch hier in dieser Stadt rumtreibt, was ihr studiert und wie gut euer Engagement in eurem Lebenslauf aussieht, aber könntet ihr mir so als Fun Fact den Prozensatz an Geisteswissenschaftlern in eurer Ortsgruppe verraten?

Dafür muss man 100 durch den Grundwert teilen und dann mit dem Prozentsatz multiplizieren. Das wird auch beim Wählen genutzt und bei der letzten Landtagswahl in Sachsen hatte die AfD übrigens 27,5 Prozent.

Ich hoffe, dass der Prozentsatz an Geisteswissenschaftlern in eurer Ortsgruppe viel geringer ist, denn das würde möglicherweise erklären, warum ihr als idealistische Kämpfer für eine gute Welt zugelassen habt, dass jemand eine Collage als Kunst präsentiert, in der versucht wurde das Leid der Welt zu veranschaulichen.

Atombomben sind schlimm. Polizei nervt. Fleisch essen ist böse und Hitler war kein guter Mensch. Ja, wir leben in einer schlechten Welt. Klar kann man dann Trump als Globale Dummheit inszenieren, die auf einem Bobby Car mit VW-Zeichen die Welt über eine Klippe stößt, um sie in ein Meer aus Leid fallen zu lassen.

Nur besteht dabei das Problem der Metaphern, auch wenn thematisch das Wasserthema natürlich bedient wurde. Metaphern stehen stellvertretend für eine bestimmte Sache.

Dass nicht jede Person, die sich für eine gute Sache engagieren will, die Komplexität der Welt dementsprechend gut abbilden kann:
Geschenkt.

Auch das nicht jeder, der aus so einer idealistischen Peergroup, wie eurer kommt, Ahnung von Kunst hat:
Geschenkt.

Für manche Dinge gibt es halt Spezialisten, denn ohne Spezialisierung würde so eine komplexe Welt nicht funktionieren. Menschen, die sich spezialisieren, denken sehr intensiv über bestimmte Dinge nach und meist werden sie im System unserer Welt, dem Kapitalismus, auch dementsprechend bezahlt.

Spezialisten haben auch ihre Grenzen. Die Politikwissenschaftler zum Beispiel sind inzwischen schon an einem Punkt, wo die eigene Prognosefähigkeit (Zukunftsvorraussage, so wie das mit der Glaskugel) zur Diskussion steht, weil die Welt nicht nur hochkomplex ist, sondern sich auch immer schneller verändert und man bei bestimmten Dingen nicht mehr so gut vorraussagen kann, was jetzt eigentlich passiert.

Spezialisten müssen sich aber immer auch mit der Vergangenheit beschäftigen, um Dinge mit der Zukunft anzustellen, woraus folgt, dass man über die Vergangenheit meist sehr genau bescheid weiß. In der Geistenwissenschaft streiten sich da zwar manchmal auch Leute, weil es unterschiedliche Standpunkte gibt, aber es gibt auch Dinge, die für jeden klar verständlich sind.

Jetzt gibt es aber auch bestimmte Dinge in der Vergangenheit, darüber sind sich nicht nur die Spezialisten einig, sondern eigentlich alle und daraus ergeben dann die Dinge in der Zukunft. Worüber sich dann auch meistens alle einig sind, sind die Dinge, die wir nicht in unserer Zukunft möchten. Klimawandel ist eine dieser Sachen. Der ist halt einfach passiert, weil es zwar Spezialisten gab, die drüber nachgedacht haben, aber keiner sich drum gekümmert hat.

Das hat mit Vorstellungskraft zu tun und je länger man über bestimmte Dinge nachdenkt, desto besser kann man sich diese Dinge auch vorstellen.

In der Vergangenheit gibt es übrigens auch Dinge, die passiert sind, bei denen hat man ein Problem sich die vorzustellen, weil sie mit soviel zwischenmenschlicher Grausamkeit und Leid verbunden sind und da gibt es Spezialisten, die sagen, dass unsere Sprache, die ja unsere Vorstellungskraft bestimmt, nicht in der Lage ist, eine angemessene Metapher für das zu finden, was da passiert ist.

Klar gibt es auch Leute, die da anderer Meinung sind, aber die gehören in den meisten Fällen zu den 27,5 Prozent und in den seltensten Fällen zu den Geisteswissenschaftlern und wenn, dann hören einem meistens auch nur die 27,5 Prozent zu.

Manchmal ist es vielleicht hilfreich auch als Nicht-Spezialist darüber nachzudenken, welche Metaphern man für das Leid der Welt benutzt und welche nicht, vor allem wenn Spezialisten schon entschieden haben, dass es Gedenktage für bestimmte Dinge geben soll, obwohl sie sich noch nicht mal sicher sind, ob es eine Metapher dafür gibt. So ein Gedanktag war am Montag.

Dann, nicht mal eine Woche später, in eine Grundkurs-Kunst-Collage zum Zustand der Welt, Bilder von Auschwitz einzubauen, weil man das mit dem Leid der Welt so richtig ernst meint, ist eine eher dumme Idee, vor allem, wenn man direkt daneben getötete Schweine aus der Massentierhaltung klebt.

Grandhotel Abgrund

Die guten Parties beinhalten Personen, die dir nach einer überstandenen Panikattacke auf der Tanzfläche zusichern das alles in Ordnung ist und ein Safety-Net bilden, wenn benötigt. Leute, die auf der Tanzfläche ankommen und fragen, ob gerade alles in Ordnung ist und man in dem Moment eher überrascht und ein wenig nachdenklich bestätigt stabil zu sein.

Die Musik war so stimmig und gut wie schon lange nicht mehr. Nach dem Live-Set wurden die Glückwünsche auf dem Klo ausgesprochen. Schön, wenn jemand beim Live spielen seine komplette Komfortzone gefunden hat und sich bei jedem Set selbst auch noch neu überrascht, dabei aber trotzdem mit einer unglaublichen Reflektiertheit und einer klaren Zielsetzung eine Ruhe und gleichzeitig Begeisterung transportiert.

Der Fakt, dass Raum und Zeit mit Unterstützung der Musik einen eigenen Freiraum darstellen, in dem man mit den Grenzen spielen kann, stellt die gesellschaftliche Notwendigkeit guter Clubs dar, die in der Lage sind durch ein strukturiertes Raumkonzept, das sich auch an der Tür durch Abgrenzung auszeichnet, eine Momentaufnahme zu schaffen, die im emotionalen Cluster der Persönlichkeit einen Wärmepol hervorruft, der durch Resonanz mit dem Umfeld gespeist wird.

Auch nach dem Live-Auftritt bestachen die Sets durch Aufbau, Vehemenz und klarer Haltung. Dazu gehört unter anderem auch morgens nicht bis zum Ende durchzuballern, sondern auch mal die eigene BPM-Zahl ein wenig runterzufahren und dem Spaß an Vielfältigkeit Respekt zu zollen.

Beste Dancefloorszene:
Mädchen mit schwarzen Haaren tanzt zwei Minuten vor mir und fasst sich in die Frisur um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Kommt ihre schwarzhaarige Freundin an und fragt sie: „Glaubst du, der ist bi?“ und zack, waren sie beide weg.

Ich wünsche mir von weiblicher Seite mehr Kreativität und wenn schon nicht Kreativität, dann wenigstens ein wenig Sensibilisierung in Bezug auf das männliche Objekt der Begierde.

Wenn jemand zeitweise mit Augen zu auf der Tanzfläche steht, dann sollte mehr Aufmerksamkeit erzeugen vielleicht nicht darin bestehen, denjenigen anzurempeln, um ihm dann noch auf den Fuß zu treten. Derjenige wird sicher seine Gründe haben, warum er in genau dem Moment nicht available ist, vor allem wenn sich die ganze Szenerie im persönlichen Sweetspot der Anlage stattfindet, wo sowieso meist zu wenig Platz ist.

Generell mag ich mit Intention behaftete Handlungen am liebsten, wenn die Kommunikation auf Augenhöhe und mit wertschätzender Haltung abläuft. Erwartungen sind generell eher kontraproduktiv beim situationsorientierten Handlungsansatz und wahrscheinlich gibt es wenig Situationen in denen mit diesen so sehr gehandelt wird, wie auf dem Dancefloor. Allerdings gehe ich auch nicht ganz unverbindlich mit nem Ständer auf der Tanzfläche spazieren, wenn das Blut sich seinen Weg sucht. Ist auch eher lästig, wenn man gerade mit Loslassen beschäftigt ist.

Die schönsten Momente auf der Tanzfläche waren ein unerwartetes sanftes Auftauchen im Blickfeld und ein leichtes vorsichtiges Abtasten von Körpernähe ohne sich wirklich zu berühren, aber nah genug, um Intimität herzustellen und wurde im nächsten Moment schon wieder hinweggewischt. Zärtlichkeit hat auch immer mit Vorsicht und Respekt zu tun, wenn es die Armlänge Abstand betrifft.

Bevor das hier jetzt zu sehr in einen Rant über strukturelle Probleme und Metablah ausartet, bleibt mir eigentlich nur noch allen Mitverantwortlichen für diese Party zu danken.

Die geschlossene Meinung der Afterhour:
Dankbarkeit für diese besondere Zeitblase.




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