Springe zum Inhalt →

Zeitverfluggeschwindigkeit.de Beiträge

#10

„Aus derselben kapitalismus­kritischen Intuition heraus neige ich dazu, eine unkontrollierte Legalisierung illegaler Substanzen abzulehnen. Wenn Drogen vom freien Markt vereinnahmt werden, wenn Subkulturen plötzlich vermarktet werden können, weil sich der Legalstatus von jenem Faktor, den die Subkultur zur Subkultur macht, verändert hat, dann fick mich. Der freie Markt ist mindestens so beschissen wie der Schwarz­markt, er funktioniert nach denselben Regeln, im Idealfall mit etwas weniger Gewalt, mit etwas weniger Blut, aber er generiert und reproduziert dieselben hegemonialen Strukturen.“

Wir brauchen eine andere Sprache für den Rausch

Schreibe einen Kommentar

#9

Das erste Mal im neuen Jahr den kompletten Feedreader leergelesen und das Backend aufgemacht.

Weihnachten war sehr anstrengend, da meine Oma langsam dement wird und es nicht einsehen möchte, weswegen mein Vater zweimal am Tag unterstützend besucht und inzwischen auf dem Zahnfleisch geht. An Weihnachten gab es dementsprechend auch kein anderes Thema.

Nach der Silvesternacht um acht Uhr morgens im Bett gelegen. Anstrengender Abriss im Kellergewölbe mit semibefriedigendem Auflegen von fünf bis sieben. Es reicht halt nicht einen ungehörten Ordner „Top 100 Drum And Bass Tracks“ runterzuladen, da man dann Gefahr läuft, dass keins der Stücke durch die geschmackseigene Qualitätskontrolle gekommen wären. So passiert.

Das Praktikum strengt gerade sehr an, vor allem weil ein Leberfleck am Oberarm angefangen hat zu jucken und kleine Pusteln schlägt. Mein innerer Alarmpegel steht knapp unter Panikattacke und es sind noch zwei Tage bis zum Akuttermin bei der Hautärztin. Der momentane Cortisolspiegel liegt also weit über der Weihnachtsmarke und mein Kopfkino befeuert das natürlich extrem. An Schlaf war die letzte Nacht nicht zu denken und wie sich das heute gestaltet wird man sehen.

Schreibe einen Kommentar

#8

Während ich heute schon einmal die weihnachtliche Vorspeise auf Muttis neuem Gasherd (verdammt, ich liebe gas, aber traue es meiner eigenen schusseligkeit nicht zu, aus angst, irgendwann die küche in die luft zu jagen) zubereitet habe, wurde ich von Spotify durch deren Weihnachtswerbungseinschub genau einen Tag vor Heiligabend geWHAMt.

Schreibe einen Kommentar

#7

Habe ich starre Regeln ende ich in einer Diktatur. Bin ich verhandlungsfähig bleibe ich Demokratie. Sicher muss es Punkte geben über die nicht verhandelt werden kann: Siehe Menschenrechte. Soziale Normen wie das Nasebohren in der Öffentlichkeit. Oder furzen. Macht man nicht, gehört sich nicht. Grüßen, verabschieden, Bitte danke. Manieren allgemein. Dann weiter die gewaltlose Einstellung die höchstens Abwehr und Notwehr gelten lassen kann. Gesetze, Regeln der Gemeinschaft.

Aber der Spielraum, die Freiheit dazwischen, bei den unwichtigen Sachen, ob er beim Essen sitzen bleiben muss bis die langweiligen Erwachsenen endlich fertig sind oder aufstehen darf ist etwas das wir ausmachen je nach Situation. Festgebunden wird hier keiner!

Drüben bei Dazwischen wird nochmal sehr schön auf den situationsorientierten Ansatz in Sachen Kindererziehung eingegangen. Dass das zum Beispiel nicht „Fähnchen im Wind“ bedeutet, sondern eine eigene Haltung als Grundlage geschaffen werden muss, die der eigenen Räson entspricht ohne all zu dogmatisch daherzukommen.

Je weiter man dann das Spektrum streckt, desto mehr Nuancen tauchen innerhalb dessen auf und verankern Verzweigungen in den Synapsen. Wichtig in dem Falle auch die Augenhöhe gegenüber dem Kind und dass man die Entscheidung am besten mit Erklärungen unterfüttert, die dem Kind verständlich machen, wieso man in der einen oder anderen Situation unterschiedliche Regeln aufstellt, so dass es lernt selbst zu differenzieren und sich einen eigenen Bewertungspielraum erschaffen kann. Das gilt vor allem dann, wenn die eigene Emotionalität eine Rolle spiel. Gerade dann ist es wichtig dem Kind eine Beschreibung des eigenen Neurosengartens altersgerecht aufzubereiten. Das schafft auf Kindesseite Verständnis und hilft dem Kind einen Zugang zu den eigenen Emotionen freizuhalten, der die Grunlage für Impulskontrolle darstellt.

Schreibe einen Kommentar

#6

Die Diskrepanz der Geschlechterrollen bei der Stockfoto-Suche ist durchaus verblüffend.

Sucht man nach „Mutter Tochter Diskussion“ tauchen in der Suche genau die Konfliktphotos auf, die man sich unter dem Begriff vorstellt, während im Gegensatz dazu bei „Vater Sohn Diskussion“ meist geglückte Interaktionen oder intime Momente gezeigt werden.

Noch krasser ist es bei „Mutter Tochter Streit“, wo gleich streitende Familien an erster Stelle stehen, während für „Vater Sohn Streit“ überhaupt keine Ergebnisse gefunden werden.

Wenn man nur „Teenager genervt“ eingibt, dann tauchen zu dreißig Prozent Bilder auf, die mit Hautproblemen zu tun haben.

Schreibe einen Kommentar

#5

„there’s a maze in a desert. carved from sand and rock. a vast of labyrinths and pathways and corners, a hundred miles long, a thousand miles wide. full of twists and dead ends. picture it. a puzzle you walked. at the end of this maze, is a prize, just waiting to be discovered. all you have to do is find your way through. can you see the maze? it’s walls and floors, it’s twists and turns. good. because the maze you’ve created in your mind, is, itself. the maze. there is no desert, no rock, or sand, there’s only the idea of it. but it’s an idea that will become to dominate every waking and sleeping moment. you are inside the maze now. you can not escape. welcome to madness.“

Legion

Schreibe einen Kommentar

#4

Als ich Feierabend mache merkt man der Fussgängerzone den vorweihnachtlichen Freitagabend an und in meinem Innern regt sich ein starker Fluchtreflex, den ich überbrücke, weil ich nochmal in den DM muss, um Zitronensaft für die After-Work-Ladung Kratom-Tee zu kaufen.

Vor den Regalen mit dem Aufstrichen spreche ich kurzerhand einen Empfehlung für Spinat-Lupine aus, bekomme den Vorschlag mit einem dankenden Lächeln quittiert und flüchte nach dem Bezahlen nach Hause.

Es reicht völlig aus den Weihachtsmarkt während der Raucherpause vom Büro-Balkon überblicken zu müssen. Eine absurde Kombination aus Fressbuden, Autoscooter, Riesenrad und überdimensionierter Weihnachtstanne.

Schreibe einen Kommentar

#3

alles und nichts

die folgen eines missbrauchs kommen schleichend. zunächst passiert nicht viel, weil man denkt, das hätte alles eine verquere richtigkeit. nur man selbst sei irgendwie nicht mehr ganz richtig. aber richtig stellt man es nicht. zu beginn fühlt es sich sogar nicht schlimm an, nur merkwürdig. die ahnung, dass vielleicht etwas nicht stimmt. niemand antwortet darauf.

man wird zum mitwissenden eines geheimnisses, und das entfaltet sogar so etwas wie macht. aber mächtig wird man nicht.

langsam, nach wochen, nach monaten, nach jahren verzweigt sich schließlich der innerliche bruch zu einem geflecht aus angst und demütigung, aus scham und unsicherheit, und überlagert sich in fetzigen schichten des hasses und eines ekels am meisten gegen sich selbst. man hätte nein sagen können. man hätte weniger lust vortäuschen können. man hätte weglaufen und nicht mehr zurückkommen können. aber man tat es nicht. und weiß niemals, auch später, wenn man es schließlich tut, nie so ganz, warum man es damals nicht konnte.

in der schule, im fernsehen liest und redet man darüber. aber man selbst ist nie das mädchen oder der junge, denen es passiert. das sind die anderen. und sie sind bemitleidenswert, weil sie es mit sich haben geschehen lassen. im eigenen kopf verdreht man die wahrheit, weil sie nicht wahr sein darf. für mitgefühl ist man noch zu klein, und für was man zu klein ist, blendet man aus.

aber das gefühl von kaputt ist bereits beständig und äußerst beständig arbeitet es sich durch den jungen körper und geist und frisst ganz leise auf, was sich hätte wunderschön melodisch entfalten können, hätte es ein anderer nicht mundtot gemacht. dissonanz ist ein so hässliches wort. und hässlich wird man selbst auch. so langsam, dass es ganz lange niemand bemerkt, aber man selbst beginnt es zu sehen.

wo andere ihre würde tragen, klafft in einem selbst dann ein loch. wo andere sich selbst zu lieben beginnen, wuchert dort die ätzende gewissheit, dass man sich selbst nicht mehr lieben wird. wo andere auf sich selbst vertrauen, gibt es darin nichts mehr, was vertrauen verleiht.

nach jahren begreift man, was eigentlich passiert ist. trotzdem ist es zu spät. die reue des anderen, sie spielt keine rolle mehr. man kann ihm ins gesicht sehen, für etwas länger als den höflichen moment. man ist neben ihm aufgewachsen, ihm schließlich entwachsen, weil es geht. man hat die wut, den hass, die gleichgültigkeit überwunden.

den ekel vor seinem inneren bruch jedoch nicht.

und so stark man auch ist, so gut man alles versucht, so sehr man sich bemüht zu sein: das innere loch frisst sich weiter durch, in das, was hinter dem innersten verborgen liegt, legt es frei, wälzt sich genüsslich in jeder art schmerz, die man kennt, und lacht, weil es weiß, dass nichts mehr so sein wird, wie es war, weil das nichts bereits ein stück vom alles geworden ist.

und bleibt.

via plastikherz

Schreibe einen Kommentar

#2

Die gesammelte Erfahrung schlägt sich in einem Kurzbesuchen wieder, weil auf dem Herd noch Eintopf und im Dekanter auf den Küchtentisch noch Aimone steht.  Der knallharte Uptime-Beat, mit dem ich nach dem Nachhausekommen kurz Gefühlsüberfluss kompensieren musste, wechselt zu Befindlichkeitsaussagen und irgendwann stellt sich auf beiden Seiten eine leicht sedierende Entspannung ein.

Es ist fast Weihnachten und seit ein paar Tagen hat das ganze bevorstehende Brimborium an Wichtigkeit verloren, because I miss her. Alles funktioniert gerade recht gut, aber selbst das kann nicht darüber hinweghelfen, dass ein Teil von mir in Leipzig geblieben ist.



Schreibe einen Kommentar

#1

Während der ganzen Überauswahl an Design, Schriftarten und Möglichkeiten der Formatierung fiel die Wahl dann auf den Jetzt-Zustands des Blogs, der fürs erste genügt, aber ein wirkliches Ende ist noch nicht in Sicht. Währenddessen liefen, sozusagen stimmungsmäßig abgepasst, alte Alben als Begleitmusik und „Lifted“ steht dann doch auf Platz 1, vor „I’m Wide Awake, It’s Morning“, weil es die gesamte Bright-Eyes-Bandbreite wiedergibt. Ein ungeschliffener Diamant, der im Gegensatz zum gesäuberten Pop-Appeal des Nachfolgers steht.

In Sachen Selbst- und Welthass ist bei Herrn Oberst übrigens noch alles beim Alten. So erschien vor ein paar Monaten ein Lebenszeichen, was an alte Zeiten anknüpft und Anfang Februar als Seven Inch verschickt wird.

Ich wollte sowieso mal wieder mehr Vinyl kaufen.

No one’s gonna change 
Hey and that’s the truth 
And I’m never gonna do what you want me to


Schreibe einen Kommentar